Hugo Blumenfeld und Blanka Rosenberg und Frieda Stein

Hugo Blumenfeld,1 Sohn von Abraham Isaac Blumenfeld und Friedericke Rothschild, wurde am 30. August 1882 in Momberg, Hessen geboren.2 Hugo ist mein Grossonkel 4. Grades, ein Nachkommen von Moses (1778-1846), Isaac (1814-1892) und Abraham (1842-1913) Blumenfeld.

Am 23. Juli 1907 heiratete Hugo Blumenfeld Blanka Rosenberg aus Rosenthal in Frankenau, Hessen.3 Blanka war die Tochter von Mendel Rosenberg und Rebeka Blumenfeld, geboren am 9. Juli 1882 in Rosenthal. Die Familie wohnte zur Zeit von Blankas Geburt im Haus Nummer 106.4

Von 1904 bis 1907 war Hugo Lehrer in Werther in Westfalen. Danach war er von 1908 bis 1922 Lehrer in Frankenau.5 «Ab 1922 war Hugo Blumenfeld als Lehrer in Witzenhausen tätig. 1926 gab es nur noch 4 schulpflichtige Kinder, und die Schule wurde zum 1. Dezember 1933 aufgehoben (sie war zuletzt die einzige jüdische Schule im Kreis).»6 Im Zusammenhang mit seinem 25. Dienstjubiläum schrieb die Jüdische Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck: «Herr Blumenfeld hat es verstanden, sich überall das Vertrauen seiner Gemeinden zu erwerben. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange zum Wohle der Gemeinde und der Schuld zu wirken.»7

Artikel über Hugo Blumenfelds 25. Dienstjubiläum in der Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck, 30. März 1928, S. 7.

Hugo und Blanka bekamen während der Zeit in Frankenau (1908-1921/22) drei Kinder: Julius (7. Mai 1908), Erwin Jakob (29. Mai 1911) und Martin (6. Januar 1913).8 Ihre Biografien befinden sich in eigenen Blogbeiträgen.

Blanka Blumenfeld-Rosenberg starb am 24. Juli 1932 im Haus der Familie an der Steinstrasse 243 in Witzenhausen im Alter von 50 Jahren.9 Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Witzenhausen beerdigt.

Hier ruht
eine tugendhafte Frau, die Zier ihres Mannes.
Redlich und aufrichtig war sie in ihren Werken.
Dem Armen und Elenden reichte sie ihre Hände.
Dies ist Blümchen, Tochter des Menachem ha-Levi.
Sie starb am 20. Tamus [5] 692.
Ihre Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.10

Hugo Blumenfeld heiratete vor dem 26.02.1934 Frieda Stern, geboren am 31.05.1896 in Zimmersrode. Frieda war Tochter von Salomon Stern und Settchen Spier.11[i] Mit ihr und seinem Sohn Martin zog er im April 1935 nach Neustadt bei Marburg.12 Die Familie Blumenfeld wohnte an der Bahnhofstrasse 6.13

Am 5. Januar 1939 zogen Hugo und Frieda nach Frankfurt am Main,14 wo sie zunächst am Sandweg 7 wohnten. Hier wohnten weitere jüdische Familien.15 Die Familie wurde wahrscheinlich zwangsumgesiedelt in ein anderes Judenhaus am Röderbergweg 38. Dass das Adressbuch von 1941 unter dieser Adresse 21 jüdische Personen oder Familien auflistet, lässt daraus schliessen, dass sich an dieser Adresse ein Judenhaus befand. Der Name Blumenfeld ist jedoch in dieser Auflistung nicht aufgeführt.16 Die Röderberg-Adresse steht aber auf der Liste der Deportierten.17 Im Adressbuch für das folgende Jahr sind keine Bewohner am Röderbergweg 38 angegeben.18

Am 18. August 1942 wurden Hugo und Frieda mit dem Transport XII/1, Zug Da 503 von Frankfurt am Main nach Theresienstadt deportiert.19 Von Theresienstadt aus wurden sie am 16. Oktober nach Auschwitz gebracht,20 wo sie ermordet wurden.21 (Siehe Hugos Transportkarte unten.22)

Vor ihrer Deportation nach Theresienstadt mussten Hugo und Frieda einen Heimeinkaufsvertrag mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland abschliessen.23 Auf Betreiben der Gestapo schlossen deutsche Juden, die gemäss den Plänen der Wannsee-Konferenz ab 1942 in das «Altersghetto» Theresienstadt deportiert werden sollten, sogenannte Heimeinkaufsverträge mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland ab. Darin wurde den älteren Juden lebenslange kostenlose Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung zugesichert. Zusätzlich zu einer kalkulierten Vorauszahlung wurden weitere Abgaben, Spenden und Vermögensübertragungen verlangt.24

Auflistung von Personen aus Frankfurt/Main, die vor ihrer «Wohnsitzverlegung nach Theresienstadt» einen «Heimeinkaufsvertrag» abgeschlossen haben.

  1. Foto aus: Barbara Händler-Lachmann und Ulrich Schütt, «unbekannt verzogen» oder «weggemacht», Schicksale der Juden im alten Landkreis Marburg 1933 – 1945, S. 140. ↩︎
  2. Standesamt Neustadt (Hessen) Geburtsnebenregister 1882 (HStAMR Best. 915 Nr. 6465). ↩︎
  3. Trauregister der Juden von Frankenau 1829-1926 (HHStAW Abt. 365 Nr. 175). ↩︎
  4. Standesamt Rosenthal Geburtsnebenregister 1882 (HStAM 922 9638). ↩︎
  5. Notiz in Der Israelit, 7. Juni 1928, S. 7, und in der Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck, 30. März 1928, S. 7. ↩︎
  6. Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Anfang, Untergang, Neubeginn, Zweiter Band, S. 409. ↩︎
  7. Jüdische Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck, 30. März 1928, S. 7. ↩︎
  8. Geburtsregister der Juden von Frankenau, (HHStAW 365 174), alle drei Geburten auf Seiten 46-47. ↩︎
  9. Standesamt Witzenhausen Sterbenebenregister 1932 (HStAMR Best. 923 Nr. 7389), Blatt 36. ↩︎
  10. Text und Foto: «Blumenfeld, Blanka geborene Rosenberg (1932) – Witzenhausen», in: Jüdische Grabstätten, https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/5362_blumenfeld-blanka-geborene-rosenberg-1932-witzenhausen. ↩︎
  11. Standesamt Zimmersrode Geburtsnebenregister 1896 (HStAMR Best. 920 Nr. 9534). ↩︎
  12. Nach: Albrecht Eckhardt und Herbert Reyer: Die jüdischen Gemeinden in Witzenhausen und Hebenshausen, Teil II: Die jüdischen Familien, Familienblätter und Namenslisten. Unveröffentlichtes Manuskript bei der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, zitiert in: https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/5362_blumenfeld-blanka-geborene-rosenberg-1932-witzenhausen. ↩︎
  13. Händler-Lachmann/Schütt, «unbekannt verzogen», S. 140. ↩︎
  14. Händler-Lachmann/Schütt, «unbekannt verzogen», S. 140. ↩︎
  15. Adressbuch Frankfurt am Main für das Jahr 1940, Teil I, S. 63. ↩︎
  16. Adressbuch Frankfurt am Main für das Jahr 1941, Teil II, S. 293. ↩︎
  17. Hugo: https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420818-5.jpg, Frieda:  https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420818-6.jpg. ↩︎
  18. Adressbuch Frankfurt am Main für das Jahr 1942, Teil II, S. 293. ↩︎
  19. Statistik des Holocaust: https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420818-5.jpg und https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420818-6.jpg. ↩︎
  20. Institut Terezín-Initiative, Holocaust.cz, https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/6530-hugo-blumenfeld/ und https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/6523-frieda-blumenfeld/. ↩︎
  21. Nach: Albrecht Eckhardt und Herbert Reyer: Die jüdischen Gemeinden in Witzenhausen und Hebenshausen, Teil II: Die jüdischen Familien, Familienblätter und Namenslisten. Unveröffentlichtes Manuskript bei der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, und die Datenbank von Yad Vashem. ↩︎
  22. Transportkarte, Dokument 5021812, in: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5021812. ↩︎
  23. https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70505424. ↩︎
  24. Wikipedia: Heimeinkaufsvertrag. ↩︎